Wesen der Nacht

Vampire in der Fantasy

Keinem finsteren Wesen haftet eine derartige Romantik wie dem Vampir. Die gefährlichen Blutsauger, die zumeist in Särgen nächtigen und das Blut schöner Frauen – oder hübscher Männer – besonders schmackhaft finden, haben sich in den letzten Jahren zu wahren Superstars entwickelt. Sie lauern nicht nur auf verlassenen Friedhöfen und in finsteren Grüften, sondern verschaffen sich mit magischen Kräften Zugang zu unseren Häusern. Dort bringen sie nicht nur Tod und Verderben, sondern spielen auch mit unseren Gefühlen, erobern Herzen und geraten in Konflikt mit dem blutdurstigen Teil ihres eigenen Wesens, das die Menschlichkeit völlig zu verdrängen droht.

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Die tausend Gesichter Graf Draculas

Graf Dracula gilt als Urvater der Vampire, doch viele moderne Vampirgeschichten haben nicht mehr viel mit der alten Story gemeinsam. Jeder Autor erfindet »seine« Vampire neu: Das Weihwasser als Waffe gegen die finsteren Blutsauger wirkt beileibe nicht immer und seit einigen Jahren wissen wir sogar, dass manche Vampire in der Sonne glitzern satt zu Staub zu zerfallen. Einige Vampire schielen sehnsuchtsvoll auf ihr altes menschliches Leben und versuchen, sich zurück in eine enge Form zu pressen, der sie längst auf finstere Weise entwachsen sind. Andere wiederum geben sich dem Blutrausch voll und ganz hin, sie jagen sogar ihresgleichen, wenn diese zu sehr aus der Art schlagen oder ihre Kreise stören. Im Blutrausch der Vampire erwacht buchstäblich das Tier im Menschen, das vielleicht – wer weiß das schon? – in uns allen schlummert.

Vampirbücher und der innere Kampf des Menschen

Gut und Böse liegen in jedem von uns, die Wandlung zum Vampir macht das Böse nur um Vieles verlockender. Wenn Körper und Seele mit voller Inbrunst nach Blut schreien, besteht nur noch wenig Chance, das eigene innere Monster zu bändigen, selbst, wenn ein eiserner Wille dagegensteht. Vielleicht liegt genau hier der Grund für die geradezu magische Anziehungskraft vergangener und aktueller Kultromane aus dem Vampirgenre: In gewisser Weise erlebt jeder von uns tagtäglich diesen inneren Kampf zwischen Gut und Böse in der eigenen Seele. Soll ich – oder soll ich nicht?, das ist die wahrscheinlich meistgestellte Frage der Erde. Doch selten, nur sehr selten, spricht man sie laut aus.